Vorbereitung

Hat ein Unternehmen eine Pflegefachkraft in einem Land außerhalb der EU für einen Arbeitsplatz in Deutschland gewinnen können – ganz gleich, ob mit oder ohne Unterstützung eines Personalvermittlers – beginnt die intensive Phase, in der die Einreise sowie das Leben und Arbeiten in Deutschland vorbereitet werden müssen.

Diese Formalitäten müssen geregelt werden

Haben sich Arbeitgebende und Arbeitnehmende gefunden, beginnt ein in Zeit und Aufwand häufig unterschätzter Prozess, in dem alle Formalitäten erledigt werden, die für eine Aus- und Einreise sowie Arbeitsaufnahme erledigt werden müssen. Abhängig von den beteiligten Ländern müssen hierbei verschiedene Prüf- und Bewilligungsbehörden mit eingebunden werden. Folgende Bereiche bzw. Prozesse gilt es dabei zu verzahnen:

  • Arbeitsvertrag
  • Der Arbeitsvertrag spielt eine wichtige Rolle im Verfahren zur Einwanderung der Fachkraft sowie für die Beziehung zwischen Arbeitgeber*in und Arbeitnehmer*in. Der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin sollte der ausländischen Fachkraft vor Arbeitsbeginn den Arbeitsvertrag schriftlich, auf Deutsch und in Englisch und möglicherweise zusätzlich in deren Muttersprache zukommen lassen. Zudem muss der Arbeitsvertrag bestimmte Mindeststandards erfüllen.

  • Visum für Deutschland
  • Staatsangehörige aus Drittstaaten benötigen für die Einreise ein Visum, das zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit berechtigt. Dem Visumverfahren vorgelagert sind die Verfahren zur Aufenthalts- und Beschäftigungserlaubnis sowie zur Anerkennung der Gleichwertigkeit der ausländischen beruflichen Qualifikation.

    Die Dauer von Visaverfahren kann z.T. stark variieren und von der gewählten Verfahrensart abhängen. Für das beschleunigte Fachkräfteverfahren (gemäß § 81a AufenthG) sind die Fristen festgelegt. In den Verfahren außerhalb von § 81a AufenthG variiert das Zeitfenster für einen Vorsprachetermin zur Visumantragstellung in Abhängigkeit vom Auslastungsgrad der jeweiligen deutschen Auslandsvertretung zwischen wenigen Tagen und mehreren Monaten. Längere Wartezeiten werden auf den Webseiten der betroffenen Botschaften veröffentlicht, so dass Antragsteller*innen und Einrichtungen dies bei ihren Planungen berücksichtigen können.

Beschleunigtes Fachkräfteverfahren

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetzes (FEG) eröffnet die Möglichkeit, das Einreiseverfahren für Fachkräfte zu beschleunigen (§ 81a des Aufenthaltsgesetzes (AufenthG)).
Bei Vorliegen eines konkreten Arbeitsplatzangebots kann der Arbeitgeber bzw. die Arbeitgeberin in Vollmacht des Ausländers bzw. der Ausländerin gegen Zahlung einer Gebühr ein „beschleunigtes Fachkräfteverfahren“ beantragen. Im beschleunigten Fachkräfteverfahren stellt die Ausländerbehörde eine Schlüsselrolle dar und ist verantwortlich für:

  • die Beratung der Arbeitgebenden über die Einreisevoraussetzungen der Fachkraft,
  • die Prüfung der ausländerrechtlichen Voraussetzungen,
  • das Betreiben des Anerkennungsverfahrens und
  • das Einholen der Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit.

Alle beteiligten Behörden sind hierbei an enge Fristen gebunden. Bei Vorliegen aller Voraussetzungen erteilt die Ausländerbehörde eine Vorabzustimmung zur Visumerteilung auf deren Grundlage die Auslandsvertretung innerhalb von drei Wochen einen Termin zur Visumbeantragung vergibt und in der Regel innerhalb von weiteren drei Wochen nach Antragstellung über die Visumerteilung entscheidet.
Die Einhaltung der vorgegebenen Fristen ist nur möglich, wenn alle erforderlichen Dokumente in der richtigen Qualität eingereicht werden. Andernfalls treten Fristunterbrechungen auf.
Alternativ steht weiterhin das reguläre Einreiseverfahren und ggf. das Verfahren zur Erlangung einer Vorabzustimmung der Bundesagentur für Arbeit nach § 36 Absatz 3 BeschV offen; Fachkraft und Arbeitgeber und Arbeiteberin können das für sie jeweils als günstiger erscheinende Verfahren wählen.

  • Anerkennungsverfahren
  • Um in Deutschland als Fachkraft arbeiten zu können, muss zunächst die ausländische Berufsqualifikation in Deutschland als gleichwertig anerkannt werden. Ist eine Arbeitsaufnahme in einem reglementierten Beruf geplant (z.B. Pflegefachmann, Pfegefachfrau), muss zudem eine Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung erteilt werden. Bei der Klärung der Frage, ob ein Beruf reglementiert ist, hilft das Informationsportal der Bundesregierung: anerkennung-in-deutschland.de

    Daher ist es nötig, den Antrag auf Anerkennung schon vor Einreise der Pflegefachkraft bei der örtlich zuständigen Anerkennungsbehörde zu stellen. Die Anerkennungsbehörde führt daraufhin eine Gleichwertigkeitsprüfung durch. Im Falle von Pflegequalifikationen aus Drittstaaten werden häufig wesentliche Unterschiede zum angegebenen Referenzberuf in einem Feststellungsbescheid (sog. Defizitbescheid) benannt. In solchen Fällen gilt die ausländische Berufsqualifikation als nicht gleichwertig, sodass Unterschiede mithilfe einer Ausgleichsmaßnahme in Deutschland (§ 16d AufenthG) ausgeglichen werden müssen.

    Weitere Informationen zum Anerkennungsverfahren finden Sie hier:

Anerkennungsprozess organisieren

  • Deutsche Sprachkenntnisse
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Um in Deutschland eine Berufsausübungserlaubnis als Pflegefachkraft zu erhalten, bedarf es nicht nur einer berufsfachlichen Anerkennung, sondern in der Regel auch eines Sprachniveaus der deutschen Sprache auf B2-Level der Kompetenzskala des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER). Im Falle der Einreise zur Teilnahme an einer Ausgleichsmaßnahme (nach § 16d AufenthG) können auch Visa und eine vorläufige Arbeitserlaubnis für Pflegefachkräfte vergeben werden, die ein B1-Niveau nach GER nachweisen. In diesem Falle müssen die deutschen Sprachkenntnisse bis zu einem Sprachniveau von B2 GER vor oder während der Teilnahme an einer Ausgleichsmaßnahme nachgeholt werden.

    Doch auch Deutsch auf B1 GER Niveau muss erst einmal erlernt werden. Wenn eine Person nicht schon deutsche Sprachkenntnisse hat, ist es nötig, gemeinsam nach Lösungen für einen strukturierten Spracherwerb zu suchen. Dabei sollte auf zertifizierte Sprachanbieter im Ausland geachtet werden. Nicht zu vergessen ist, dass auch halb- oder ganztägige Sprachkurse finanziert werden müssen. Ebenso wie der Lebensunterhalt der Pflegefachkräfte, die zu dieser Zeit Sprachschüler*innen sind. Nicht zuletzt muss zur Beantragung des Visums auch eine Prüfung bei einer zertifizierten Sprachschule absolviert werden, um den Sprachstand nachweisen zu können.

    Weitere Informationen zur Unterstützung des Spracherwerbs finden Sie hier:

Anerkennungsprozess organisieren

  • Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit

    Die Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit zur Erteilung des Aufenthaltstitels ist zur Aufnahme einer Berufstätigkeit erforderlich. Die Bundesagentur für Arbeit prüft zudem die Geeignetheit der Ausgleichsmaßnahmen für die Anerkennung der ausländischen Berufsqualifikation. Bei öffentlichen oder staatlich anerkannten Bildungsträgern sowie öffentlich geförderten oder zertifizierten Maßnahmen ist von einer Geeignetheit auszugehen. Die Ausländerbehörde und die Auslandsvertretung übernehmen das Prüfergebnis der Bundesagentur für Arbeit.

    Weitere Informationen finden Sie zudem auf der Internetseite www.make-it-in-germany.com

  • Unterstützung bei den Antragsverfahren im Rahmen der Fachkräfteeinwanderung

    Nicht nur für Deutschland gibt es geregelte Verfahren im Rahmen der internationalen Fachkräfteeinwanderung, auch in den Herkunftsländern sind häufig Verwaltungsverfahren vor der Ausreise der Fachkräfte zu absolvieren.

Die Deutsche Fachkräfteagentur für Gesundheits- und Pflegeberufe (DeFa) übernimmt bei Beauftragung und Bevollmächtigung für Unternehmen der Pflege- und Gesundheitsberufe und für privatwirtschaftliche Personalvermittlungsagenturen die Antragsverfahren im Rahmen der Fachkräfteeinwanderung sowie das Dokumentenmanagement. Dies ist derzeit für die Herkunftsländer Philippinen, Mexiko und Brasilien möglich.

Weitere Informationen dazu finden Sie direkt bei der DeFa unter www.defa-agentur.de

In ständigem Kontakt bleiben

Erfahrungsgemäß können sich die Prozesse des Dokumentenmanagements, der Behördengänge und ggf. die des Sprachelernens in die Länge ziehen. Erst, wenn diese Prozesse abgeschlossen sind, kann der Aus- bzw. Einreisetermin tatsächlich und verbindlich bestimmt werden. Das gemeinsame Vorhaben kann dann vom anwerbenden Unternehmen sowie der migrationsfreudigen Pflegefachkraft in eine nächste und konkret zu planende Phase treten. Bis es allerdings soweit ist, sollte das anwerbende Unternehmen einen Weg finden, wie es verlässlich, engmaschig und professionell Kontakt zu den noch in ihrem Herkunftsland lebenden neuen Arbeitnehmer*innen halten kann. Dazu sollte im Unternehmen eine Ansprechperson bestimmt werden, die den Kontakt zu den zuwandernden Fachkräften hält. Gelingt es, diese Zeit konstruktiv zu nutzen, kann ein belastbares Vertrauensverhältnis wachsen und viele Themen für die Zeit nach der Einreise besprochen und entsprechende Vorbereitungen getroffen werden.