Wenn es zur Kündigung kommt

Selbstverständlich ist es für ein Unternehmen, das international Pflegefachkräfte anwirbt, das Ziel, diese Personen möglichst langfristig an das Unternehmen zu binden. Dennoch wird es immer wieder dazu kommen, dass eine international angeworbene Person den laufenden Prozess schon vor der Einreise oder in den ersten Monaten nach der Einreise abbricht. Auch häufen sich Berichte von gezielten Abwerbungen durch Konkurrenzunternehmen nach erfolgreichem Abschluss des Anerkennungsverfahrens.

Dies ist für Unternehmen aus betriebswirtschaftlicher Perspektive natürlich sehr ärgerlich. Hinzu kommen möglicherweise Momente der persönlichen Enttäuschung und Kränkung, da sich Führungskräfte oft außergewöhnlich für diese neuen Mitarbeitenden eingesetzt haben. Doch hilft es auch hier differenzierende Perspektiven einzunehmen.

Internationale Anwerbung als Personalstrategie auswerten – ab wann lohnt es sich?

Internationale Anwerbung von Pflegefachkräften kann im Verlauf und als Strategie kontrolliert, bewertet und geregelt werden. Als verantwortliches Team können Sie Ihren Fokus beispielsweise auf folgende Fragen richten:

Wie sind die innerbetrieblichen Rahmenbedingungen?

  • Wie attraktiv ist die*der Arbeitgebende für aus dem Ausland kommende Pflegefachkräfte wirklich – auch nach der intensiven Anwerbung und Einarbeitung?
  • Wie ist der Anwerbe- und Integrationsprozess im jeweiligen Einzelfall verlaufen? Was hätte besser laufen können?
  • Wurden Erwartungen und Möglichkeiten klar kommuniziert und aufgefangen?
  • Wurden Gründe für die Kündigung durch die*den Arbeitnehmende*n offen gelegt?

War das Arbeitsfeld für die angeworbene Person attraktiv?

  • Sind Pflegearbeitsplätze in Akutkrankenhäusern und Kliniken für aus dem Ausland kommende Pflegefachkräfte hinsichtlich Arbeitsfeld (weiterhin) attraktiver als jene in der Versorgung von langfristig Pflegebedürftigen?
  • Welche Karriere- und Entlohnungsmöglichkeiten können Sie als Arbeitgebende*r langfristig bieten?

Wie sehen die infrastrukturellen Rahmenbedingungen aus?

  • Liegt der Betriebsstandort infrastrukturell günstig oder ungünstig? Inwiefern liegt der Betriebsstandort ggf. ungünstig? Weil Anbindungen zu Bahnhöfen und Flughäfen zu weit entfernt sind? Diese Punkte gilt es zu prüfen, denn für viele ist eine gute Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz sehr wichtig.
  • Zahlreiche Einwandernde merken in den ersten Monaten, dass ihnen ein Bezug zu einer Expatriaten-Community wichtig ist. Entsprechende Gemeinschaften sind daher oft lokal gehäuft und in größeren Städten zu finden. Wenn der Arbeitsplatz zu weit von den Community-Strukturen entfernt liegt, kann es sein, dass Arbeitnehmende einen anderen Arbeitsplatz am Ort ihrer Wahl suchen – und meistens auch unproblematisch finden.

Das Wichtigste
für Ihre To-Do-Liste

  • Behalten Sie im Blick, dass international angeworbene Pflegefachkräfte den Mangel an Fachkräften in Deutschland zwar abpuffern, aber nicht beheben. Auch bei internationaler Anwerbung braucht ein Unternehmen eine gut aufgestellte Personalstrategie und den Willen, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein.

  • Als anwerbendes Unternehmen stehen Sie im globalen Wettbewerb um gute Pflegefachkräfte. Umso eher Sie die Kompetenzen Ihrer neuen Mitarbeiter*innen erkennen, anerkennen und fördern, desto geringer ist die Gefahr, dass sich diese nach einem alternativen Unternehmen umsehen.

  • Auch eine Kündigung Ihrerseits wird unwahrscheinlicher, umso besser Sie die neue Zusammenarbeit vorbereiten und begleiten.

  • Bei Kündigung und Abwerbung: Signalisieren Sie, dass Ihre Tür geöffnet bleibt und Sie sich freuen, wenn die jeweilige Personen nach einiger Zeit doch wieder bei Ihnen arbeiten möchten.

  • Nehmen Sie eine Kündigung oder Abwerbung nicht persönlich: Letztlich ist es ein Arbeitsmarkt, auf dem sich Arbeitnehmende frei bewegen können. Diese sind Ihnen über die Regelungen im Arbeitsvertrag hinaus zu nichts verpflichtet und verfügen über eine Arbeitnehmerfreizügigkeit.

  • Werten Sie den gesamten Anwerbe- und Integrationsprozess aus und fragen Sie sich: Was können wir beim nächsten Mal besser machen? Sind wir ein geeignetes Unternehmen, um international angeworbene Pflegefachkräfte auch mittel- sowie langfristig binden zu können?

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Informationstage

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