Den Anerkennungsprozess unterstützen

Die fachliche Berufsanerkennung und Berufsausübungserlaubnis sind ein entscheidender Teil einer internationalen Personalanwerbung von Pflegefachkräften. Es liegt auf der Hand, dass eine möglichst schnelle Berufsausübungserlaubnis sowohl im Interesse der angeworbenen Person als auch des anwerbenden Unternehmens ist. Dabei ist die Unterstützung, die ein Unternehmen seinen Pflegefachkräften im Anerkennungsprozess zukommen lässt, auch ein Indikator für gelebte Willkommenskultur und ein wichtiger Baustein nachhaltiger betrieblicher und fachlicher Integration.

Der berufsfachliche Anerkennungsprozess

Die angeworbene Pflegefachkraft kann nach § 16d AufenthG zum Zweck der Anerkennung ihrer im Ausland erworbenen Berufsqualifikation nach Deutschland einreisen. Vor Einreise – und damit auch vor der Visumserteilung – muss bereits der Antrag zur Berufsanerkennung bei der zuständigen Anerkennungsstelle mit allen notwendigen Unterlagen und einer Angabe zum gewünschten Referenzberuf (Pflegefachmann / Pflegefachfrau nach PflBG bzw. Gesundheits- und Krankenpfleger*in nach KrPflG, bzw. auch die*der Altenpfleger*in und die*der Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger*in) eingegangen sein.

Die jeweilige Anerkennungsbehörde nimmt daraufhin eine Gleichwertigkeitsprüfung vor. Die Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe stellt für ausgewählte Abschlüsse Mustergutachten zur Verfügung, damit die Anerkennungsbehörden zügig entscheiden können. Im Falle von Pflegequalifikationen aus Drittstaaten werden häufig wesentliche Unterschiede zum angegebenen Referenzberuf in einem Feststellungsbescheid (sog. Defizitbescheid) benannt. In solchen Fällen gilt die ausländische Berufsqualifikation als nicht gleichwertig, sodass Unterschiede mithilfe einer Ausgleichsmaßnahme in Deutschland (§ 16d AufenthG) ausgeglichen werden müssen.

Die fehlenden Inhalte können beispielsweise im Rahmen eines individuell abgestimmten Anpassungslehrgangs kompensiert werden. Alternativ besteht die Möglichkeit eine Kenntnisprüfung (direkt bzw. mit einem vorangegangenen Vorbereitungskurs) abzulegen. Sowohl die Kenntnisprüfung als auch die Anpassungslehrgänge können bisher nur in Deutschland, also nach der Einreise, abgelegt werden.

Die Entscheidung, ob ein Anpassungslehrgang oder eine Kenntnisprüfung absolviert werden soll, um die Unterschiede auszugleichen, obliegt der Pflegefachkraft.

Daher ist es sinnvoll, wenn der Arbeitgebende die Pflegefachkraft über beide Wahlmöglichkeiten und deren Vor- und Nachteile aufklärt und diese berät. Zusätzlich bestehen sowohl für den Arbeitgebenden als auch die Pflegekraft die Möglichkeit, sich von Anerkennungsberatungsstellen über das Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung“ (IQ) im In- und Ausland beraten zu lassen.

In jedem Fall bedeutet eine Ausgleichsmaßnahme, dass möglichst frühzeitig Absprachen mit möglichen Bildungsträgern getroffen werden müssen, die Anpassungslehrgänge oder Vorbereitungskurse auf die Kenntnisprüfung anbieten.

Informieren Sie sich lokal für Ihr Bundesland zur Terminvergabe, damit sie diese bei der Planung beachten können.

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Deutschkenntnisse – nicht nur für die Berufszulassung wichtig

Für die in Deutschland reglementierten Pflegefachberufe ist zur Erteilung der Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung bzw. der Berufsausübungserlaubnis auch ein Nachweis über einen deutschen Sprachstand auf B2-Niveau nach GER-Referenzrahmen und ab 2021 ein Nachweis über Fachsprachkenntnisse notwendig. Das bedeutet, dass die international angeworbene Pflegefachkraft nicht nur die Gleichwertigkeit ihrer Ausbildung nachweisen bzw. entsprechende Defizite ausgleichen muss, sondern dass sie parallel oder vorab auch ihre deutschen Sprachkenntnisse ausbauen muss, um in Deutschland als Pflegefachkraft arbeiten zu dürfen. Da internationale Pflegefachkräfte bereits mit deutschen Sprachkenntnissen auf dem B1-Niveau GER einreisen dürfen, ist eine vorangegangene oder parallel zur Ausgleichsmaßnahme stattfindende Sprachförderung in Deutschland möglich und sinnvoll. Dabei ist das Lernen von Sprachen individuell sehr unterschiedlich und zeitlich nicht immer verlässlich zu planen. Eine gute Sprachförderung in Deutschland ist daher ein sehr wichtiger Baustein, um eine internationale Anwerbung erfolgreich abschließen zu können. Es liegt auf der Hand, dass international anwerbende Unternehmen hier finanziell und operativ unterstützend tätig sein sollten, auch wenn sie dazu rechtlich nicht verpflichtet sind.

Doch nicht nur für die formalen Vorgaben sind ausreichende deutsche Sprachkenntnisse wichtig. Studien und Erfahrungsberichte zeigen, dass sprachliche Unsicherheiten im pflegerischen Berufsalltag zu Irritationen, Verunsicherungen und Frustrationen führen können. Sowohl für die international angeworbenen Mitarbeitenden als auch im Team, in der Dokumentationspflicht, in der Kommunikation mit den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen. Das kann letztlich zu einem frühzeitigen Abbruch des Anwerbeprojektes führen. Aufnehmenden Unternehmen ist daher dringend zu raten, hier über ihren rechtlichen Verpflichtungsrahmen hinaus tätig zu werden.

Welche grundsätzlichen Optionen gibt es?

  • Teilnahme an Sprachschulkursen in der Region
    In Deutschland besteht in fast allen Regionen ein guter Zugang zu Deutschsprachkursen. Diese finden im Block ganz- oder halbtägig statt – oder auch im wöchentlichen Rhythmus
  • In die Anpassungsmaßnahme integrierte Sprachförderung
    Besonders zielführend und zeiteffizient ist ein integriertes Fach- und Sprachlernen, beispielsweise in Form eines „Team-Teachings“, bei dem ein Sprach- und ein Fachdozent in gemeinsamer Zusammenarbeit die Unterrichtsstunden gestalten. Hier kann ein besonderer Fokus auf praxisnahe Fachsprachkompetenzen gelegt werden.

  • Online-Sprachkurse sowie Unterstützung per App
    Für viele sind außerdem online-Sprachkurse sowie den Alltag unterstützende Apps eine attraktive Ergänzung – und das nicht nur in Zeiten der Corona-Pandemie. Insbesondere für Pflegeberufe kommen immer mehr Angebote auf den Markt.
  • Die Möglichkeiten der Verordnung über die berufsbezogene Deutschsprachförderung – DeuFöV
    Über die DeuFöV werden Berufssprachkurse für die deutsche Sprache durchgeführt. Für die Durchführung der DeuFöV-Kurse ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zuständig. Weitere Informationen finden Sie hier.

Passgenaue Ausgleichsmaßnahmen

Mehr passgenaue Ausgleichsmaßnahmen

Sie möchten eine Pflegefachkraft aus dem Ausland anwerben und suchen eine passgenaue, an den bescheinigten Defiziten ansetzende Ausgleichsmaßnahme? Davon wird es künftig immer mehr geben.

Was im Hintergrund passiert: Die Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe erstellt nach und nach Mustergutachten, die auf Basis der Curricula internationaler Pflegeausbildungen in den zentralen Anwerbeländern (zunächst Philippinen, Mexiko, Brasilien) mit den deutschen Referenzberufen vergleicht und wesentliche Unterschiede herausarbeitet. Darauf aufbauend können spezifische Curricula für Anpassungsmaßnahmen oder passende Vorbereitungskurse zur Kenntnisprüfung ausgearbeitet werden.

Die Forschungs- und Transferstelle G.I.M. der HTW Saar hat bereits ein berufs- und sprachintegriertes Anpassungskonzept für Pflegefachkräfte aus den Philippinen erarbeitet. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Mitmachen.

Sie können es sich vorstellen, an der Erprobung dieses Konzeptes teilzunehmen?
Dann nehmen Sie einfach den Kontakt zu uns auf.

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