Unterstützung beim Umzug über die Ländergrenzen

Mit der Anwerbung einer Pflegefachkraft aus dem Ausland ist auch immer ein internationaler Umzug verbunden, der gut organisiert sein muss. Dies liegt grundsätzlich in der privaten Verantwortung der*des Angeworbenen. Zur Steigerung der eigenen Attraktivität übernehmen die zukünftigen Arbeitgebenden allerdings gerne einen Teil des so genannten „Relocation Services“. Sie greifen damit einen Impuls globaler Konzerne auf, die ihren ins Ausland gesandten Mitarbeitenden die Umzugslogistik über Dienstleister („Relocation Services“) finanzieren. Auch Personalvermittlungsagenturen bieten Elemente des Relocation Services in ihrem Portfolio an.

Relocation Service umfasst für gewöhnlich die Begleitung oder Übernahme von Formalitäten, Behördengängen und Wohnraumsuche. Jedoch handelt es sich um einen freien Dienstleistungsbereich. Das bedeutet: Welche Angelegenheiten von den beauftragten Dienstleistenden übernommen und wie diese finanziert werden, hängt letztlich von den Abmachungen des anwerbenden Unternehmens und der angeworbenen Person ab.

Welche Leistungen umfasst ein Relocation Service?

Um Enttäuschungen vorzubeugen, ist es wichtig genau zu benennen, was mit dem schnellen Versprechen „Wir organisieren das Alles für Sie!“ konkret gemeint ist. Auf diese Weise ist für Transparenz gegenüber den Arbeitnehmenden gesorgt und die Beziehung zwischen Dienstleistenden und Arbeitgebenden geschützt. Inwiefern? Zum einen ist sich die angeworbene Person nach relevanten Absprachen darüber im Klaren, was für sie übernommen, was ihr bereitgestellt und wobei Sie unterstützt wird und worum sie sich wiederum selbst kümmern muss. Zum anderen schützen rechtzeitige Absprachen das Verhältnis zwischen den involvierten Dienstleistenden, insbesondere Personalvermittlungsagenturen, und den Arbeitgebenden, weil sichtbar wird, welche Bereiche übernommen werden und wie diese eingepreist sind.

Besonders wichtig sind hier zwei Aspekte:

  • Ein internationaler Umzug ist für Arbeitnehmende ein großer Moment. Daher sollten auch deren Wünsche bezüglich der Umzugsorganisation nach Möglichkeit berücksichtigt werden. Klären Sie also gemeinsam: Welche Teile des Umzugs sollen von Dienstleistenden übernommen werden und welche nicht?
  • Kommt es zu Schwierigkeiten im Umzugsmanagement – z. B. weil die Dienstleistenden anders agieren als erwartet – liegt der Schaden fast immer bei den Arbeitnehmer*innen. Arbeitgebende, die ihre internationale Anwerbung mittels Relocation Service attraktiver machen wollen, sollten hier ein wachsames Auge auf Organisation und Prozessabwicklung haben.

Unterstützung bei Formalitäten

Ein gern genutzter Bereich des Relocation Services ist die Unterstützung bei Anträgen, Behördengängen, der Eröffnung eines Bankkontos und ähnlichen Angelegenheiten.

Eine Besonderheit bei der Relocation international angeworbener Pflegefachkräfte ist, dass der Weg zur vollen Berufsanerkennung und -zulassung gewährleistet sein muss. Damit sind Arbeitgebende bzw. beauftragte Dienstleistende dazu verpflichtet zentrale behördliche Formalitäten im Zuge der Einwanderung zu begleiten. So z. B:

  • die Anmeldung einer Wohnsitzadresse in Deutschland
  • die Teilnahme an einem Anerkennungsverfahren
  • die Meldung bei der Ausländerbehörde; die Einholung der Arbeitserlaubnis

Für all diese Dienstleistungen muss eine Vollmacht der angeworbenen Person bzw. ihrer Angehörigen vorliegen. Andernfalls kann niemand stellvertretend für sie aktiv werden.

Den ersten Wohnraum organisieren

Ein weiterer beliebter Bereich des Relocation Services betrifft die Suche des Wohnraums. In vielen Fällen ist es aus Drittstaaten angeworbenen Personen vor der Einreise nicht möglich, angemessenen Wohnraum eigenständig zu mieten oder gar zu kaufen. Daher ist die Frage, wo die neu angeworbenen Mitarbeitenden nach ihrer Ankunft für einen längeren Zeitraum unterkommen können, wichtig. Oftmals organisieren Arbeitgebende bzw. die beauftragten Dienstleistenden eine Übergangslösung. Hier können die frisch eingereisten Personen zunächst wohnen und sich bei nächster Gelegenheit (erfahrungsgemäß innerhalb von sechs bis acht Monaten) einen ihnen zusagenden Wohnraum suchen sowie einrichten.

Gegenwärtig werden zwei Möglichkeiten erprobt:

1. Die Arbeitgeber*innen stellen Wohnraum zur Verfügung

  • Manche Arbeitgeber*innen verfügen über Räumlichkeiten, die sie ihren international angeworbenen Mitarbeitenden übergangsweise zur Verfügung stellen
  • Auch die Bereitstellung und Kostenübernahme von Hotelzimmern sind im Rahmen des Einreise- und Umzugsmanagements gängige Praxis
  • Selbstverständlich gilt hier als Mindestmaßstab die sogenannte Arbeitsstättenregel “ASR A4.4”, welche die technischen Anforderungen an eine Arbeitsstätte regelt
  • Pro Tipp: Die aus dem Ausland kommenden Mitarbeitenden sollten ausreichend informiert sein und die Wahl haben, ob sie wirklich einen Wohnraum im Eigentum der*des Arbeitgebenden beziehen möchten – oder eine unabhängigere Situation bevorzugen; es sollten den Personen also ausreichend Informationen über Wohnungsgröße und Wohnausstattung sowie Kosten zur Verfügung gestellt werden, damit diese eine wohl überlegte Entscheidung treffen können

2. Über ein Relocation Service wird Wohnraum auf dem freien Markt gefunden

  • Hat ein Unternehmen keinen Wohnraum, den es zur Verfügung stellen kann, bietet auch der freie Wohnungsmarkt zahlreiche Lösungen; diese „Maklerleistung“ übernehmen viele Personalvermittlungsagenturen, oftmals gegen einen Pauschalpreis

Selbstverständlich gibt es auch noch eine dritte Möglichkeit: Aus dem Ausland einreisende Pflegefachkräfte organisieren sich selbst Wohnraum für die erste Zeit, indem sie bei der Familie oder bei Bekannten einziehen – oder sich über Internetportale eigene Lösungen suchen. Doch dazu gibt es bisher kaum bekannte Erfahrungsberichte.

Auch Mobilität gewährleisten

Eine weitere wichtige Frage bei einem internationalen Umzug ist, wie Mobilität am neuen Lebensort möglich sein wird. Hier kommt es darauf an, wie der neue Wohnort infrastrukturell aufgestellt ist: Ist ein Auto unumgänglich, z. B. um zur Arbeit bzw. zu obligatorischen Lehrgängen zu kommen oder um einzukaufen? Oder würde auch ein Jobticket für den ÖPNV weiterhelfen? Ist ein Fahrrad notwendig?

Fest steht: Neu eintreffende Mitarbeitende benötigen insbesondere in den ersten Wochen nach der Einreise Unterstützung bei der Erschließung ihrer Mobilitätsmöglichkeiten und Arbeitgeber*innen können hier wertvolle Unterstützung leisten.

Internetzugang sicherstellen

Erfahrungsgemäß sind ausländische Fachkräfte über das Internet im Austausch mit Familie und ebenfalls auswandernden Arbeitskollegen*innen und um nach ihrer Ankunft zu recherchieren und den Alltag zu organisieren. Daher sollte die Unterkunft über einen Internetzugang verfügen.

Das Wichtigste
für Ihre To-Do-Liste

  • Geregelte Verhältnisse in den Bereichen Wohnen und Mobilität sind für neu eintreffende Arbeitnehmende von besonderer Wichtigkeit. Sorgen Sie daher für frühe Gewissheit

  • Ein professionelles “Relocation Management” und das Einräumen großzügiger Zeiträume für das Erledigen nötiger Formalitäten legen den Grundstein für ein entspanntes Miteinander und bereiten den späteren Arbeitseinsatz optimal vor

  • In diesem gesamten Bereich ist es unumgänglich zu klären, welcher Akteur (Arbeitgeber*innen, Arbeitnehmer*innen, Dienstleistende) welche konkreten Aufgaben und wer welche Kosten übernimmt. Es ist ratsam, dies bereits vor der Einreise vertraglich festzuhalten

  • Es ist nötig, den neu angeworbenen Mitarbeiter*innen, die schließlich diesen internationalen Umzug zu bewältigen haben, kontinuierlich zu informieren und Wünsche dringend zu berücksichtigen

  • Regeln Sie im Falle einer Wohnraumüberlassung alles vertraglich und so früh wie möglich. Achten Sie hierbei verstärkt auf verständliche Sprache und auf niedrigschwellige Ausführungen, so gilt es im Vertrag z. B. folgende Fragen unmissverständlich zu beantworten:

    • Wie lange können Sie den Wohnraum zur Verfügung stellen?
    • Mit wem muss der angebotene Wohnraum möglicherweise geteilt werden?
    • Wie hoch sind die von der/ vom Arbeitnehmenden zu tragenden Kosten und werden diese direkt vom Gehalt abgezogen?
    • Unabhängig von der angebotenen Wohnform ist es überaus wichtig, dass Sie der Wohnraumüberlassung einen rechtlichen Rahmen geben. Sorgen Sie für Verbindlichkeiten
    • Stellen Sie nicht zuletzt sicher, dass all diese administrativen Punkte bereits vor der Einreise der Pflegefachkraft aus dem Ausland geregelt sind. Die entsprechenden Informationen zu bestehenden Wohn-Optionen sind also vor der Einreise der neuen Mitarbeiter*innen an diese zu übermitteln